Einzelkämpfer ade

Volksschule Bad Neustadt an der Saale

Einzelkämpfer ade!

Supervision – das kennen die meisten Lehrer nur aus ihrer Ausbildung. Ist man erst einmal Lehrer, bleiben Lehrer und Kollegium sich im wesentlichen selbst überlassen. Dabei bedürfen Kommunikation, Organisation und Belastungen des Lehreralltags immer wieder der Reflexion und neuer Impulse. Klaus Schiffmann ist ein erfahrener Lehrer. An der Hauptschule in Bad Neustadt an der Saale ist er sowohl Beratungslehrer als auch Leiter der Steuergruppe im Programm Anschub.de. Auf Supervision möchte er heute nicht mehr verzichten. Supervision hat seine Schule in Bewegung gebracht: „Sie hat das Klagen und Jammern hinübergezogen in einen Prozess der Selbstgestaltung“, sagt Schiffmann.

Bei der Supervision kommt ein Fachmann von außen, der das Kollegium unterstützt, Kommunikation, Organisation und Miteinander zu verbessern. Supervision, das löst bei vielen erst einmal Skepsis aus. ‚Da geht es ans Eingemachte’, ‚Wie viel muss ich von mir selbst preisgeben?’, ‚Was denken die anderen, wenn ich über mich und meine Probleme in der Gruppe spreche?’ – Das sind übliche Bedenken, wenn der Supervisor von außen sich ankündigt.

Supervision entlastet und entspannt Lehrer

Für Schiffmann sind diese Bedenken unbegründet. Der Supervisor bringe „den nötigen Abstand“ mit und helfe, „den Horizont zu erweitern“, sagt Schiffmann. „In den Supervisionsrunden ist der Vertrauensrahmen ein anderer, hier machen die Kollegen anders auf. Das geht viel tiefer, es kommen andere Emotionen hoch, das führt zu einer großen psychischen Entlastung und Entspannung.“ Für ihn ist Supervision mittlerweile sogar ein Hilfsmittel, um die Schule als Arbeitsplatz so zu gestalten, „dass es mehr ist als ein Job, nämlich Lebensraum“.

Für Schiffmann hat die Supervision nicht nur positive Auswirkungen auf die Organisation des Schulalltags, sondern auch auf Schulklima und die gesamte Schulentwicklung. „Wenn ich tiefer schürfen kann, komme ich näher an den Kern des Problems und an eine tiefer gehende Lösung, als wenn ich nur an der Oberfläche kratze." In der Supervision an der Hauptschule Bad Neustadt haben die Lehrer gelernt genauer hinzuschauen, systembedingte Probleme abzugrenzen von individuellen Problemen. Anschließend entwickeln sie positive Ziele. Ohne die Anleitung von außen, davon ist Schiffmann überzeugt, wäre das gar nicht möglich.

Eine neue Qualität des Vertrauens

In der Supervision lernen die Lehrer, ihr eigenes Handeln mit Abstand zu betrachten. Dadurch sei „eine andere Vertrauensebene entstanden“, sagt Schiffmann. „Die Lehrer sind nicht mehr Einzelkämpfer. Supervision findet jetzt auch im Lehrerzimmer statt.“ Dabei geht es nicht allein um die Probleme der Teilnehmer als einzelne, sondern auf diese Weise werden auch Probleme der gesamten Schule und der Entwicklung angesprochen – und angepackt. „Wir denken uns schon mal ins Thema rein, entwickeln erste Lösungsansätze, und das können wir dann in den Konferenzen vorstellen.“

Auszeiten und Kurzkonferenzen eingeführt

So war es auch beim Thema Unterrichtsstörer, mit dem sich wohl jeder Lehrer mal mehr oder weniger intensiv herumplagt. Die Supervisionsrunde entwickelte ein Modell der ‚Auszeit’. Zur Umsetzung stellt die Schule nun einen Lehrer bereit, der mit dem betreffenden Schüler die Situation analysiert und alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt. Außerdem regte die Runde fünfminütige Kurzkonferenzen innerhalb der Pause an, in denen Probleme mit Schülern zur Sprache kommen können. Und einige Gesprächsregeln aus den Supervisionsrunden wendet die Schule jetzt auch im Unterricht und in den Konferenzen an.

Supervision - sinnvoll für jede Schule

Auch Anschub-Koordinatorin Eva Schorer sieht ein großes Potenzial für die Lehrer in der Supervision: „Die Teilnehmer lernen, Probleme zu formulieren, auf den Punkt zu bringen und so einzugrenzen, dass sie bearbeitbar sind. Sie erfahren eine Entlastung, weil sie merken, dass sie mit den Problemen nicht allein sind, bekommen mit, wie andere mit den Problemen umgehen, lernen neue Lösungsansätze und Methoden kennen.“ Die Auswirkungen der kollegialen Supervision sieht die Koordinatorin vor allem darin, dass die Lehrer ihre Einstellungen und ihr Verhalten verändern: „Konfliktpotenziale können sie so schon im Vorfeld erkennen und durch entsprechendes Vorgehen entschärfen. Und sie bekommen eine unheimliche Unterstützung durch die Kollegen der Supervisionsrunde. Die Gruppe wächst zusammen, stützt sich besser und einfacher im Schulalltag.“ Schorer ist überzeugt: „Das ist ein Modell, das in jeder Schule eingeführt werden sollte.“

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